ego.literally (schaffen)

Samstag, 25. Juli 2009

Die Sonne, die See

eine kollaboration mit andre thom aus dem jahr 2007.. wo du wohl sein magst? zu schade für die schublade ist das stück allemal. lyrics: muse, the verve

I

Wash me away
Clean your body of me
Erase all the memories
They'll only bring us pain

Umständlich wickle ich mich aus den Laken, grüne Lichter tanzen auf den Pupillen und machen mir das Sehen unmöglich. Schwindel erfasst mich, lässt mich kaum aufstehen. Fahrig taste ich mich zum Stuhl neben dem Fenster, die grellen Reklametafeln sind hinter den dicken, staubigen Vorhängen kaum zu erkennen. Ich wage es nicht mich zu bewegen, ich würde am liebsten aufhören zu atmen. Meine Versteinerung dauert einen Moment an, dann greife ich entschlossen zu den erstbesten Kleidungsstücken, die ich ertasten kann und schleiche damit bepackt in großem Bogen um das Bett in Richtung Badezimmertür. Dort eingeschlossen ziehe ich mich notdürftig an, meide den Blick in den Spiegel und meine Gedanken. Neben der Kloschüssel steht eine halbe Flasche Wein. Nur ein Schluck… mein Magen dreht sich und reißt mir die Augen auf. Ich kotze ins Waschbecken, noch immer den Gedanken im Hinterkopf, bemüht: leise…

Dann klemme ich die angebrochene Flasche unter den Arm und verlasse das Zimmer und das Schwarz. Ich verlasse das Gebäude, nehme ziellos die erste Straße nach rechts und lasse Häuserfassaden, Autos und vereinzelt Menschen an mir vorbeiziehen, als würde ich in einem Stuhl sitzen und mir einen Film ansehen. Alles vermengt sich zu einem Rauschen in meinen Ohren. Ich bin das gar nicht, das ist jemand anderes. Benommen sinke ich neben eine Litfasssäule um Atem zu holen.
Doch die Nacht trägt mich, zurück an den Platz, zurück zu dem Brunnen, an dem ich Stunden zuvor mit ihm gestanden habe. Langsam streife ich mir die Kleider vom Leib.


II

„He, hallo… Hallo! Was machen Sie da?“
Die Taschenlampen der Streifenpolizisten blenden mich, ich halte schützend die Hände vor Augen und blinzle in das stechende Licht.
„Das sieht man doch. Ich wasche mich.“
„Kommen Sie aus dem Wasser. Sind Sie betrunken?“
„Ein Kenner“, rufe ich lachend zwischen den rauschenden Wasserfontänen hervor und versuche meine Zunge in Zaum zu halten, die mir nicht mehr zu gehorchen scheint. Ich rudere mit den Armen, um nicht die Balance zu verlieren, als ich mich fröstelnd der Stimme zuwende. Die versuchte pirouetteske Drehung um die eigene Achse misslingt, meine Knie knicken ein und ich lande schmerzhaft. Ungelenk stehe ich auf, steige aus dem Brunnen und wanke barfuss auf die beiden Männer zu, verlegen reibe ich meinen Ellenbogen.
„Können Sie sich ausweisen?“ Die Situation entbehrt nicht eine gewisse Komik, man sieht mir nicht ins Gesicht. Mir ist nach Weinen und mir ist kalt und für einen kurzen Moment sehne ich mich zurück in das Bett neben den warmen Körper.
„Ich tu doch nichts, ich habe gebadet“, höre ich mich flüstern. Die Stimme bricht. Es ist nicht mehr meine Stimme. Meine Seele steckt nicht mehr in dem zitternden, nackten Körper, dem die Wassertropfen vom dunklen Haar über die Schultern perlen. Bald stehe ich in einer kleinen Pfütze, die Arme um den Oberkörper geschlungen. Ich sehe noch von weitem, wie man mich in eine graue, zerschlissene Decke hüllt. Man redet noch eine Weile auf mich ein, dann kehrt die Stille zurück. Der Brunnen ist der einzige, der mit mir spricht. Der andere Polizist entdeckt meine Kleider und beginnt darin zu wühlen. „Kommen Sie.“ Ich reagiere kaum, mein Mundwinkel zuckt unkontrolliert. Widerstandslos lasse ich mich zum Streifenwagen führen. Kurze Zeit später, als die Wärme zurückströmt und ich mich wieder fühlen kann, als ich in mich zurückkehre, kippt mein Kopf auf der Rückbank zur Seite. Dunkelheit und Vergessen sind zu mir gekommen.


III

Der pelzige Geschmack auf meiner Zunge ist ein trauriges, einsames Geständnis meiner marinierten Seele, ein Satz, sphärischer Traum: morgens, die blaue Stunde. Ich schaue mich um, ein Geruch liegt in der Luft, eine erkaltete Verausgabung zweier Körper, Zigarettenrauch und ein Schatten von Erbrochenem, der Platz neben mir ist warm. I see I hear it's very clear. Ich stehe am Fenster vor einer fremden Stadt, alles woran ich mich erinnere ist leer, seit dieser Nacht, an die ich mich ebenfalls nicht erinnere, Momente, Szenen ohne emotionalen Gehalt, präsent, aber nicht warm oder kalt, schön oder erschreckend, die verstörende Belanglosigkeit eines blauen Morgens, einer im Halbschatten glänzenden Reklametafel. Because the day has come when you have won. In meinem Bauch wird ein Stern geboren, glühend heiß, ich kotze ihn ins Waschbecken; scheiße, die Flasche ist leer und ich weiß nicht, wem diese Tasche gehört, neben dem Klo, vielleicht mir? Ich steige in die Dusche und verbrenne mir die Haut am heißen Wasser, das mir auf die Lider schlägt, Farben und Schmerzen und Gedanken in die Augen prügelt. It's myself I feel. Brunnen, Brunnen, tief am Grund, ein Dunkel, ein glanzwollenes Licht, in deinen Augen, ein Erbrechen, Dunkel, mit dem Kopf auf den Grund schlagend, Glanz.


IV

She calls me calls me the sun the sea yeah. Undine. Dieses Wort, Undine, ich wache auf, in der Badewanne, ein kleiner roter Fluss läuft ausgetrocknet zum Abfluss. Undine, ich murmle, the sea, ein Gewirr aus Erinnerungen kriecht den Abfluss hinauf, den roten Faden entlang in meinen Kopf, blasse Bilderchen. Habe ich mit einem Geist geschlafen? Wo ist er hin und wer hat ins Waschbecken gekotzt?
Schmerzen im ganzen Leib, Sterne in den besten Jahren und im Spiegel ein blasser, müder Sartyr, dem man die Hörner ausgerissen haben muss, ein verbranntes Gesicht. Ich muss mich vergewissern: zum Fenster, den Vorhang beiseite, ja, ich weiß nicht, wo ich bin, es muss Mittag sein, mein Schädel brummt. In der Tasche neben dem Klo finde ich Kopfschmerztabletten, Kosmetik und allerlei Kram, der mir nicht bekannt vorkommt, Undine muss sie vergessen haben oder sie hat durch keinen Abfluss gepasst, keine Ahnung, keine Ahnung, dessen bin ich mir sicher. I know it's not for today.

It's not for today, it's for you and me yeah you and me.

Ich saß am Rand des Brunnens, ich weiß nicht warum und wozu, es muss unglaubliches geschehen sein um das möglich zu machen, Sekunden Minuten Stunden Tage Wochen Monate Jahre Jahrzehnte Jahrhunderte Jahrtausende Jahrmillionen, ich nehme einen mächtigen Schluck, danke vielmals.
Alone in my room you're there on the floor. Ich stelle mir das langsam vor, jede kleine Einzelheit, wir sitzen uns gegenüber, ich stehe auf (wie viel passiert sein muss dafür!), aus einem alten knarrenden Stuhl vielleicht oder aus dem Bett, ich stelle mich neben dich, vergrabe meine Finger in deinen Haaren, berühre deinen Nacken, diese fremde, vom Licht verzauberte Land, nehme eine Brust in die Hand, einander entführende Münder und dann, ich stelle es mir langsam, sehr genau, vor, werde ich wahnsinnig (und was alles geschehen muss!). Ich nehme noch einen Schluck, danke vielmals. Open up your eyes let me get inside. Blasse Bilderchen, Szenenwechsel, die im Taumel der Nacht verloren gegangen sein müssen, denn plötzlich sitze ich nicht mehr dort am Brunnen, sondern stehe in einem kleinen Imbiss, mit dir, Undine, ein halbvolles Bier auf dem weißen Plastiktisch, du sagst kein Wort oder redest wie ein Wasserfall (sic!), es ist die gelb-schwarze Stunde, Szenenwechsel, du gehst einige Schritte vor mir und ich starre auf deinen Hintern, Schnitt, eine Bar, Bier, eine fette Frau reibt sich die Achseln und in deinen Augen liegt ein Schweigen, Schnitt, Learned to love on TV, ich falle über einen Tisch und küsse deinen feuchten Mund, Schnitt, Learned to come on TV, ein alter Mann reitet auf der Kellnerin zur Tür hinaus und du verlierst deinen Oberteil, Schnitt, Can I help you?, ich pflücke Blut aus dem Kinn eines Fremden und, Schnitt, du verlierst sie beim Bad in einem Brunnen, Standbild: Can I guide you?

Der pelzige Geschmack auf meiner Seele ist ein trauriges, einsames Geständnis meiner marinierten Zunge und es sind keine Fragen möglich, nichts zu antworten, im Zimmer ist kein Ton, als ich am Fenster stehe, rauche, stehe, nicht schaue, ein sphärisches Dasein, sinn-los. Was mag passiert sein? Was bedeuten diese Sequenzen, erinnerte Abläufe? It amazes me how I broke free. Deine Stimme, Undine, höre ich, undeutlich von der Straße, vom Brunnen, plappernd eine fremde Sprache, von einem wilden Neontraum, ein Jagen, ineinander verschwenden zweier Körper, mit Blicken, mit Wein, lieblicher Kindertanz zwischen den Trümmern einer Nacht, die so nicht stattgefunden haben kann; das Bett ist kalt und es bedarf zu vieler Sekunden, zu vieler Wege, dieses Bett zu wärmen, diese Haut, the sea, ein Fels, der mit den Wassern streitet. Then got brought back in. Wo bin ich und was soll ich tun? Ich kann mich nicht rühren, betrachte das zerwühlte Bett, das wenige Licht im Dunkel. 'Cause when the feelings there shattered and scared. Du nanntest mich die Sonne, die See, ich erinnere mich daran, oder auch nicht und wozu auch? I know you've won goodbye I'm gone.


V

For one moment
I wish you'd hold your stage
With no feelings at all


Plötzlich beginne ich zu singen, leise, beinahe unhörbar, einen Satz auf den Lippen, salzig, wiederholend, wiederholend, wiederholend. Einschläfernd. Ich tanze mit meinem Taschentuch, versenke mich ins Nicht-Denken, denke nicht ich bin, denke ich bin nicht, sitze, es rüttelt an mir, rührt an mich, ich schlage die Augen lustlos auf, fühle mich so erbärmlich glücklich, erbärmlich…ausgelaugt, ausgelutscht, als hätte mich jemand getrunken (ertrunken) ertränkt. Die Jacke fällt zu Boden, erst jetzt schrecke ich hoch, komme zu Bewusstsein; ich zittere, es schüttelt mich, ich fürchte, die Kontrolle zu verlieren. Der Schmerz kehrt zurück und lässt mich jede Faser meines Körpers spüren.
„Die Fahrkarte, bitte.“
Langsam krame ich in den Jackentaschen, strecke meine Arme hinunter, streiche mir gleichzeitig die Haare aus dem Gesicht, fühle nass, kalt, eine hektische Bewegung, „hier, bitte… ja, ja… ich bin in Ordnung.“ Ich trotze mir ein Lächeln ab, eines der schönen.

And I’ve seen all I’ll ever need.

Montag, 29. Juni 2009

Quasi Malen mit Worten 2

Es ist Herbst und es ist Juni. Morgens gibt es Nebel, tagsüber regnet es grau-in-grau, man hält den Atem an und rennt nach draußen, wenn für fünf Minuten Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke brechen, deren Licht die Augen blendet und tränen lässt. Der Schnee auf den Bergen ist braun geworden und hat aufgehört zu leuchten. Die Töne passen zu den Tagen, die auf leisen Füßen kommen und bleiben.

Azur, damals:

Zeit, ich möchte dich in den Arm nehmen und festhalten, nur für ein, zwei Augenblicke. Ich möchte die Hand wieder in meiner haben, während der Wind um die Wände streicht und keine Ritze findet, um das Feuer zu ersticken, das Gesicht an meinem, die Stille, das Schweigen, das synchrone Atmen. Die Ästhetik von Perfektion in kleinen Teilen: He says, “There’s plenty of time to make you mine tonight, there’s plenty of time to make you mine.” Ich möchte das weinselige Lächeln den Mund im geröteten Gesicht dieser weinseligen Augen wieder umspielen sehen und die einladenden Worte hören, später, horch: Rauschige und kleine Kinder sagen die Wahrheit, sagt man bei uns und uns ist, wo immer wir sind und uns daran erinnern können, woher wir kamen. Ich möchte den Schnee unter meinen Schuhen knautschen hören auf dem wahnwitzigen Weg heim, die warme Hand, die meine nimmt und den Satz hören, der nur für mich bestimmt in das plötzlich abbrechende Stimmengewirr hineinsagt wird und sich schüchtern in den undeutlichen Umrissen der Schneelandschaft irgendwo zwischen den Bäumen verliert und keinen Laut mehr zulässt, unendliche Sekunden lang.

Am ersten Morgen grasten die Schafe so selbstverständlich im Garten an der Klippe, als würden nicht sie auf der Erde laufen, sondern als wäre dies ihr angestammter Platz und die Erde liefe unter ihnen. - I'm waiting, you know that I am calmly waiting to make you my lamb -

Mary had a little lamb, little… Die Herde ist geschrumpft, es ist Juni, es ist immer Herbst. Es ist grau-in-blau. Die ersten Schafe haben sich ins Meer gestürzt: Weiße, weiche Wolken schaukeln an der Wasseroberfläche einem anderen Horizont entgegen, ich zupfe mir die fahle Wolle um den Körper zurecht und drehe mich dem Wind entgegen dem Festland zu, den grünen, sanften Hügeln, die letzte Frage der See schenkend. Und nur der See.

»Quasi Malen mit Worten 1«

Montag, 4. Mai 2009

Quasi Malen mit Worten 1

Einleitung in Fehlfarben:

Inkonsequenz ist die einzig mögliche Form, die Dinge zu handhaben.

(So kann man keinen Text beginnen, wer weiß denn jetzt schon, wovon man spricht, wenn man das Wort Ding verwendet, Ding kann alles sein und alles heißen. Seit du das Wort Ding gelernt hast, kannst selbst du alles beim Namen nennen, sagt man bei uns mit mehr oder weniger korrekter Deklination der Personalpronomina).

Inkonsequenz ist die einzig mögliche Form, jedwede Situation handzuhaben.

(Besser? Widersprüchlicher. Widersprüchlich ungleich besser.)

Inkonsequenz ist die einzige Konsequenz und über alle Möglichkeiten erhaben.

Ha.

Charakteristikum in Rauchblau:

Die Schafe hier gleichen nicht den Schafen dort, ihnen fehlen die schwarzbraunen Köpfe, der kurze gedrungene Körper mit den vielen Locken im filzigen Fell und die kleinen gewundenen Hörner, wenn ich aus dem Fenster sehe und das Glockengebimmel mit den Augen verfolge. Wären die Schafe hier Ziegen anstelle der falschen Schafe, ich würde mich daheimer fühlen, ich kann selbst jetzt nicht einfach an ihnen vorübergehen. Killing softly and serial, he lifts his head: handsome, horned, magisterial.

Ich bin nicht mehr da, ich war da, aber es ist dasselbe geworden: Es ist, als wäre ich nie dagewesen. Man schleift sich den Nebel vors innere Auge, die kleinen Boote, die wie zerbrechliche Glaskugeln auf den grauen Wellen im kalten Nordwind schaukeln und die Militärflugzeuge, die den Himmel verdunkeln und die Stille zerreißen wie Papier. Der Satz in dem Brief lautete (in etwa, mir fehlt das marginale Wort): Ich bin wohl generell ein Anachronismus, nicht im herkömmlichen Sinne, ich bin nicht nur pathetisch, sympathetic: there's too much past in my present.

Ich höre heute noch den Fluss rauschen, ich bin mit dem ruhigen Plätschern eingeschlafen und damit aufgewacht und ich denke jede Nacht, kurz bevor ich die Augen schließe: ich müsste neben dem Fluss schlafen, den das offene Fenster an mein Ohr getragen hat, ich würde dort schlafen und würde sonst nichts brauchen als dieses tiefe Rauschen, das mich so lebendig machte und mich schlafen ließ als wär ich tot.

Man sitzt zu oft vor weißen Blättern während die Zeit vergeht und alles verändert, das man zu kennen glaubte.

Am Ende: Weiß ist keine, war noch nie.

Donnerstag, 30. April 2009

dakar bei nacht (verbildlicht)

I

dakar-bei-nacht


II

dakar-bei-nacht-2

tool:»wordle«

edit_13:37
twoday und ich sind uns bezüglich bilder nie einig. ich sollte mich weniger ärgern. es bleibt so. *g*

edit_15:57
variation I macht sich hervorragend als desktop-hintergrund.

Dienstag, 3. Februar 2009

Überraschungen sind etwas für ahnungslose Menschen.

Sie hätte lieber mit jemandem gesprochen, der diese Stadt wie sie kannte – die Stadt, in der sie viel Zeit verbracht hatte, in der sie zur Schule gegangen war - der um dieselben Menschen wusste und ihr etwas Vertrautes erzählen konnte; mit dem sie in Erinnerungen schwelgen und über dieselben dummen Dinge lachen konnte, aber da war niemand und so war die Stadt nur eine Stadt, eine von vielen, die keine Bedeutung hatten ohne die Menschen darin, die von ihr erzählen konnten, den Uhren unterworfen, die nur auf dem Land langsamer tickten als in der übrigen Welt, in der Zeitgeist zu einem Phantom verkommt und alles irgendwann wie eine eben eingeschläferte Katze unwichtig wird, unwichtig und nutzlos, von halblebendig in einen andauernden Dämmerzustand, den man nicht Gefängnis nennen mochte, nicht Endstation, nicht Tod.

Es hat mir gefehlt, das Schreiben.

Donnerstag, 27. März 2008

Perfect Day, I

“Oh, it's such a perfect day
I'm glad I spend it with you
Oh, such a perfect day
You just keep me hanging on”


I

Felix und ich können uns nicht ausstehen – im Grunde.
Ich halte ihn für einen oberflächlichen, übersensiblen Traumtänzer, der eine greise Ernsthaftigkeit an den Tag legt, die mich anekelt. Die Ernsthaftigkeit geht so weit, dass selbst wenn er aus voller Kehle lacht oder glücklich und unbeschwert wirkt (weil er es ist?), er jedem in unmittelbarer Umgebung auf seltsame Art und Weise ständig unbewusst vermittelt: Das Leben ist nicht schön.
Er denkt ich sei altklug und über alle Maße arrogant und ich bin eine Frau. Das genügt meistens, um Felix in heilloses Durcheinander zu stürzen. In uns beiden wohnt dieselbe Art von Unstetigkeit und Rastlosigkeit, der wir unterschiedlich begegnen – natürlich – und der Hang, jeden winzigen Gedanken wieder und wieder hervorzuholen und zu durchdenken, durchkauen, bis aus den Gedanken Brei wird, Brei und Chaos. Felix und ich, wir bekommen alles auf die Reihe – und nichts, im Grunde.

Wir kannten uns kaum (auch jetzt noch) und doch haben wir uns auf dieselbe Art kategorisiert, weil es half dem Chaos im Kopf zuweilen eine Richtung zu geben, die nach jeder Begegnung eine andere war. Was in Vergangenheit stets gleich blieb war das Bedürfnis sich nahe zu sein, die Grenzen waren bis auf wenige Ausnahmen gut abgesteckt und so kam es, dass ich Felix stets wissen ließ, wenn ich in seiner Nähe war, er beschäftigt klang und bedauernd absagte und immer einige Zeit später doch auftauchte, scheinbar zufällig, zumeist betrunken und bekifft wie ich. Unsere seltenen Aufeinandertreffen verliefen konstant: Er kam zu spät, trank je nach Verfassung mal mehr, mal weniger, ich trank meistens mit und wir sagten uns erst Auf Wiedersehen, wenn einer von uns beiden nicht mehr trinken konnte, dringend schlafen musste oder das Geld ausgegangen war.

Konstantin ruft verzweifelt an, sie würden sich verspäten, er müsse Felix aus der Dusche holen und anziehen, es sei wohl spät geworden (ein vorsichtiges Haha), aber sie würden es heute noch schaffen. Armer Konstantin. Greta und ich lachen bis sie auftauchen, wir bestellen lachend Tee.

Gemeinsame Bekannte und mitgebrachte Freunde beobachteten dieses Spiel vermutlich unterschiedlich; ich sprach über Felix nur beiläufig oder gar nicht und will auch jetzt nicht hören, dass man Wetten abschloss und wilde Spekulationen aufstellte. Ich mochte das Gefühl, ihn aus der Fassung zu bringen, wenn er sich tapfer meiner Gegenwart aussetzte. Ich konnte mich entziehen wann immer ich wollte, intelligente Diskussionen führen, Luftschlösser bauen und derbe Witze reißen; ich war ich und spielte nur für ihn Theater, auf einer Bühne, auf der alle Anwesenden zu Statisten verkamen, auf der unser beider Belanglosigkeiten auf einen Thron gehoben wurden und wir alles waren: alles, was wir hatten und alles was wir brauchten, wann immer wir uns haben konnten. Dazu genügte manchmal das Wissen, dass wir uns zur selben Zeit im selben Raum aufhielten.
Nach jedem Treffen überkam mich eine tiefe Zufriedenheit und doch flüchtete ich, flüchtete in die Arme meiner Geliebten, flüchtete mich in die Studienbücher, flüchtete mich in lange Nächte, aus denen ich wie gerädert erwachte und mich erst Tage später davon erholte. Felix tauchte noch Wochen später in meinen Gedanken auf, bis er schließlich und sehr plötzlich aus ihnen verschwand. Ich wusste gut: bis zum nächsten Mal.

Felix hatte diese Mädchenwimpern, um die ich ihn beneidete, diese langen, schwarzbraunen Haare im Nacken, die ich mit unverhohlenem Entzücken fixierte, zog sich gut an und war geruchlos, gepflegt, aber geruchlos, ich frage mich noch immer, wie ein Mensch so neutral riechen kann, kein Körpergeruch, kein Parfum, kein Duft und kein Gestank. Wenn er ging war seine Haltung leicht gebeugt, als trüge er ein Geheimnis auf dem Rücken, ein unsichtbares Geheimnis, das ihm Mühe machte und das wortlos seine zumeist steinerne Miene erklärte. Seine Mimik war so undurchschaubar wie eine Betonwand.
Er interessierte sich für freie Medien und Politik, ich interessierte mich für Literatur und Biologie, wir sprachen selten darüber, weil wir uns nie einig waren, uns verächtlich anschnaubten und noch zwei Wodka bestellten, die wir dann schweigend und seufzend tranken. Felix und ich, wir wollten uns nie überzeugen, wir wollten uns neu definieren, ein ums andere Mal, das genügte uns. Forschung am Lebendobjekt, persönliche Studien.

Man sieht die Hand kaum mehr vor Augen wegen all dem Rauch, wir sitzen zu Dritt in der tiefen, roten Ledercouch, Felix in der Mitte. Ich rauche Kette und Felix hält mir einen Vortrag über Rauchen und die Folgen.

„Schau, das Rauchen ruiniert meinen Körper, irgendwann, deine Drogenexperimente ruinieren deinen klugen Kopf. Was ist dämlicher? Ich weiß, ist es beides – aber was?“

Ich lache zufrieden und ein bisschen zu überheblich, er dreht sich beleidigt weg und starrt geradeaus in Richtung Bar. Lou Reeds Stimme schleppt sich aus den Boxen, ich hüpfe im Sitzen vor Freude, nehme einen Schluck Bier und lächle zufrieden und mit einem angenehmen Schwindelgefühl, das mich erfasst, vor mich hin. Felix’ Mund am meinem Ohr: „Es gibt keine perfekten Tage.“

Ich sehe ihn nicht an, bewege den Kopf zur Musik und erwidere in den Nebel hinein: „Das nein. Aber es gibt doch gute Tage. Es gibt gute Tage.“

Ich drehe meinen Oberkörper zu ihm hin. Er macht ein Gesicht, als hätte ich ihm den Sinn des Lebens verraten: „So habe ich das noch nie gesehen.“

Ich muss wieder lachen, er verzeiht die Augenbrauen und entlockt seinem verdutzten Gesicht ein Lächeln: „Du bist schön, Mara.“

„Ich weiß.“

„Ich weiß, dass du es weißt.“

Freitag, 19. Oktober 2007

Sentenza

Über Nacht wurde es Herbst. Ungefragt fährt der Wind in der Dunkelheit der frühen Morgenstunden durch die Fensterritzen in mein Zimmer und tanzt mit den Vorhängen. Ich sitze zusammengekauert auf dem Bett – hellwach und doch träumend – und lausche der unhörbaren Musik. Die Sommermonate waren mir einmal mehr entglitten. Nun trauere ich um sie, wie ich es noch jedes Mal getan habe. Noch bevor mich diese seltsame, innere Kälte zur Gänze erfassen kann, erscheint wie aus dem Nichts vor meinem inneren Auge dein Bild. Ich trauere einmal mehr.

Eine seltsame Angewohnheit hat der Mensch: Er ist sich nie zu jung, um von früher zu sprechen. Fühlt er sich lebendiger, wenn er sich erinnert? Wird das eigene Sein glaubhafter? Oder ist er einfach glücklicher, weil die Erinnerung so viel schöner sein kann als das Erinnerte selbst gewesen war?...

Das Gras, das ich als Bild im Kopfe trage, war trotz des Mittsommertages von frühlingshaftem Grün. Ich saß ein paar Meter von der Straße und dem Auto entfernt zu deinen Füßen. Die Startbahn verlief geschätzte hundert Meter parallel zur Straße, meine Augen konnten weder den Anfang noch das Ende erfassen. Der Himmel sah mir ins Gesicht, die letzten Strahlen der Sommersonne tauchten die Landschaft in ein unwirkliches, weißgelbes Licht.
„Schau doch!“ Ich schrie gegen die Turbinengeräusche des kleinen Flugzeugs an, das sich unmittelbar über unsere beiden Köpfe in die Luft streckte und sprang vom Boden auf. Dann rannten wir beide übermütig hinter der Maschine her über die Wiese, bis diese aus unserem Blickfeld verschwunden war. Atemlos sank ich ins Gras: „Wo der wohl hinfliegen mag?“
„Nach Bangkok.“
„Viel zu klein.“
„Bestimmt.“

Ein zerbeulter Müllcontainer, der überquoll. Das Licht spiegelte sich auf dem glänzenden Blech. Die Hitze machte die Welt in Zeitlupe beweglich. Windböen, die kurz aufwallten und dann in staubiger Erde vergingen. Lider blinzelten in die Sonne. Schatten und frei…

„Ich lese gerade all die Klassiker, denen ich in der Schule nie genügend Aufmerksamkeit geschenkt habe. Goethe, Schiller... Das Fräulein von Scuderi. Ich glaube, ich bin besessen.“
„Das sieht man in deinen Augen.“
Du sprachst vom Schreiben um zu verändern, ich sprach vom Schreiben um zu sein. Ich mochte diese Endlosdiskussionen, die all die Male zuvor in einem Streitgespräch endeten, wie es eben der Fall ist, wenn zwei Menschen eine Passion teilen und doch nicht. Hörst du das Schweigen? Ich schloss die Augen und ließ die Sonne zufrieden gen Horizont ziehen. Ein Seufzen in der Luft, deine Stimme in meinem Ohr: „Und dann sagst du: Das bekommst du doch wieder nicht auf die Reihe. Und dann sage ich: natürlich nicht.“
Ich fixierte verlegen den ausgerissenen Grashalm in meinen Händen und lächelte. In meiner Erinnerung lächelst du an dieser Stelle ebenfalls, du lächelst dein verschmitztes, spitzbübisches Verlegenheitslächeln und wir fühlen uns einmal mehr so viel näher.

Es dämmert und ich weiß, ich werde wieder einen Tag verschlafen. Erschöpft lasse ich mich in die Kissen sinken und schließe erwartungsvoll die Augen, dass die Finsternis sich lichten kann und mir meine Geschichten erzählt. Ein Murmeln und ein ruhiger Atemzug am Ende: Und ich taufe dich neu: Sentenza. Ich träume nicht, wenn du bei mir bist.


September 2006, »printversion datum 03/07«

Samstag, 1. September 2007

o.t.

Wolkenlos und durchscheinend, zartblau gebleicht von einer unermüdlichen Sonne zieht der eine Himmel oben und lässt den Himmel unten in einem Farbenrausch aus Grüntönen blenden und protzen. Bitte schnallen Sie sich an! Kilometer 301, A 1. Eine Messe in München verstopft die Autobahn an der ehemaligen Zollstation: zähflüssiger Verkehr, Hupen, Feinstaub, ich fühle mich wie zu lange gekauter Kaugummi und reibe mir die Augen, PKW-Parkplatz da, Telefonzelle dort. Und wo ist das Grün?

Die heiße Luft schlägt in Wellen Schattenpurzelbäume auf der Motorhaube, erhitzte Gesichter, Sechserpack, Überwachungskameras, Behindertentoilette. Schweißgeruch und Autoabgase erschlagen die Sinne, ein Meer an nackten Beinen und Unterarmen bewegt sich durch Schleier, aufheulende Motoren. Konsterniert atme ich Staub, den betäubenden Geruch von Benzin und scharfen Reinigungsmitteln.

Warmkalt. Die Klimaanlage verursacht ein penetrantes Sauggeräusch, das meinen Schluckreflex reizt. Ein Schritt, zwei Schritte, schluck. Schluck. Bilderfetzen aus vergangenen Tagen: Eine Frau beim Zahnarzt in der Kabine neben mir spricht mit der Zahnarzthand im Mund, unermüdlich, glucksend zwar, aber laut und bestimmt, eine Kämpfernatur, ADS, bitte einmal knebeln und zwar sofort! Es duftet nach Kaffee aus dem Bistro von nebenan. Ich schließe die Augen, bücke mich am Regal. Etwas bohrt sich in meinen Rücken, ein Stechen, ein Blick, umbarmherzig, aber kleinlaut, lässt mich ungerührt, lässt mich nicht in die Knie gehen, macht mich nicht den Kopf drehen und die kleinen, schwarzen, hündischen Augen (tief in den Höhlen vergraben) suchen um ihnen zu begegnen und sie in die Schranken zu weisen. Die Schritte, mürbe, klebrig, dringen zwischen Gemurmel und Geschäftigkeit an mein Ohr und das aufdringliche Gefühl hinter mir verschwindet hinaus auf die Straße und verlässt mich einen Augenblick später ganz. An manchen Tagen sind mir Motten unangenehmer als an anderen, ich fühle mich gequält, Piñata, mein Kopf dröhnt und ich schwanke hinaus in die schwüle Luft, nein, erst Kaffee, sechs Minuten, hier ein Kreuzchen auf Papier und dort, ab. Der Müllberg um den zierlichen metallenen Aschenbecher hat sich in Luft aufgelöst, ich verdrehe mir den Kopf nach einem Messias und erwarte ein paar Atemzüge lang Hagel und Wolkenbruch, Wunder, Wunder! Ein Kind läuft mir zwischen die Beine, ich schlage einen Haken, zwei, zwinge mich zu einem Lächeln um kein Trauma zu verschulden.

Kaltwarm, später. Der Fahrtwind erschlägt die rauschenden Töne, die sich aus dem Radio quälen. Well, the windshield was broken but I love the fresh air, you know.Ich bin müde und höre auf nach Musik zu suchen, die nicht rauscht. Hier ein Kreuzchen und dort, niemand schert sich um mein Gemurmel. Selbstgespräche auf der Toilette, vorhin. Salatbar? Tankwart? Flugmüll? Schaumwein, Entscheidungsunfähigkeit: augenscheinlich. Dazwischen Gedanken an eine Liebe, die Liebe wäre, wäre sie hier.

Sonntag, 8. Juli 2007

Ada, I

Ich habe sie nicht herbeigesehnt, die fliederfarbenen Tage, die wie Klingen über mir hängen und mich erstarren haben lassen. Früher war das anders, weißt du. Früher war mein Leben bewegt und ich habe bewegt und mich bewegen lassen. Früher habe ich den Flieder geliebt, den schweren betäubenden Duft wie Opium in mich gesogen und mit ihm getanzt. Ich war eine passable Tänzerin.

Viele Tage sind einander gleich, aber manche Tage gleichen sich eher als andere. Meine Tage gleichen sich, einer dem anderen. Das einzige was mir geblieben ist sind die Farben. Zuviel Wasser hat sich die Flüsse hinab gestürzt, zu viele Stunden sind verronnen und ich harre aus in einem Zimmer, bin meine eigene Gefangene. Anfangs habe ich mich noch gewehrt: Ich weinte fast eine Woche lang als ich in einem Anfall die Telefonkabel aus den Wänden riss und alle Glühbirnen im Haus zerschlug, damit ich nachts, wenn der Vollmond durch die Fensterscheiben leuchtet, den Flieder nicht ansehen muss. Ich schlafe nicht mehr, ich träume nicht mehr. Ich ertrage die Bücher um mich nicht mehr, weil ich sie nicht lesen kann: ich habe verlernt, ein Buch zu lesen.

Zu viele Stunden sind verronnen, Ada, sage ich zu mir, Ada, wenn du die Uhren nicht hättest, du wärst schon längst verrückt geworden. Aber ich habe die Uhren, alle Uhren, die ich je besaß, hängend und stehend bewachen sie meine Schlafstätte. Denn wenn es eines gibt, das mich beruhigen kann und mich alles vergessen lässt, ist es das monotone Ticken der Uhren, die guten Uhren, die mir die Sekunden vorzählen und mich so vereinnahmen, dass ich aufhöre die Tage an den Fingern oder die Risse an der Decke zu zählen.

Mehrmals am Tag kommt sie an mein Zimmer, macht die Türe auf und spricht zaghaft durch den Türschlitz: „Ada“, Pause, „Ada, du bist noch immer schön, du musst essen.“ Ich antworte nie, aber ich hebe den Kopf; an den Tagen, an denen ihr die Hoffnung hartnäckiger im Nacken sitzt wiederholt sie den Satz und manchmal ist mir, als würde ich von ihren Worten satt werden und ich beschließe nicht aufzustehen. Wenn ich fühle, dass mir die Beine einzuknicken drohen, wenn ich meinen Kreis drehe (immer denselben, man kann die Abdrücke auf dem Teppich sehen, es ist kein schöner Kreis), schleiche ich zur Tür, wenn alles schläft und hole mir den Teller mit belegten Broten und dem eingelegten Knoblauch, den ich so gerne aß, früher, weißt du.

Nachts besucht er mich ab und zu und setzt sich an den Fuß meines Bettes, den Kopf in die Hände gestützt, geduldig wartend, bis ich mich bereit fühle und meine Frage stelle, die Frage, die seit Jahr und Tag dieselbe ist: „Weißt du nun?“
Er legt den Kopf schief und sieht mich nicht an (wie er es immer tut, immer getan hat, er legt den Kopf schief, er sieht mich nicht an).
„Nein, ich habe keine Ahnung.“
„Gar keine?“
„Gar keine.“

Montag, 1. Januar 2007

Zähle nicht die Tage / Traumbild

„Zähle nicht die Tage, Tochter, zähle nicht die Stunden. Geh und kreuze Wege, lebe Leben und lege dich jenen zu Füßen, auf dass man sich zu den deinen legen kann, ohne Atem zu versiegen und Herzen zum Stillstand zu bewegen. Der Mensch sieht, um zu glauben. Glaube du, um zu sehen.“

Als ich erwache, reißt es an meinen Lidern. Ganz plötzlich weiß ich wieder, wo ich bin und hingehöre. Ich zögere nur den Bruchteil einer Sekunde, mein Körper mag dem angebrochenen Gedanken nicht im Ansatz folgen und so schreite ich an dich heran und besiegele diesen neuen Bund mit einer verhängnisvollen Umarmung. Du bist zu mir gekommen, Zeit, güldene, neues Jahr, neue Hoffnung, neues Leben, du schenkst dich mir, du hast mich nicht vergessen, obwohl ich nie einen sehnsuchtsvollen Gedanken an dich richtete, mich immer nur an deine Brüder und Schwestern hing, mich an ihnen aufrieb und mich an sie verschwendete. Ich erhebe mich, begutachte ein letztes Mal die schönen, frischen Narben an meinem nackten Körper, blinzle wie ein Kind in eine neue Welt, die eine Welt, meine Welt, die mich einmal mehr nicht hat ziehen lassen, meine Porzellan-Geliebte, mein dreiköpfiges Ungetüm, du fleischfressende Erde. Ich setze einen Fuß vor den anderen und beherrsche den Pfad, nehme mir den Raum, bemächtige mich allem, was meine Augen umreißen. Allein unter deinem Joch kann ich aufrecht gehen. Jetzt bist du es: schwer mit mir behangen. Ein Gleißen – kein Blinzeln, gedankenlos. Dies ist kein Ende, dies ist der Anfang.
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Purity.

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ich bin froh, aus dem alter heraus zu sein, mich zu ernst nehmen zu müssen.
ich bin auch froh, noch nicht in dem alter zu sein, mich ernsthaft eben damit auseinandersetzen zu müssen.

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