fremd.worte
the car's on fire and there's no driver at the wheel
and the sewers are all muddied with a thousand lonely suicides
and a dark wind blows
the government is corrupt
and we're on so many drugs
with the radio on and the curtains drawn
we're trapped in the belly of this horrible machine
and the machine is bleeding to death
the sun has fallen down
and the billboards are all leering
and the flags are all dead at the top of their poles
it went like this:
the buildings tumbled in on themselves
mothers clutching babies picked through the rubble
and pulled out their hair
the skyline was beautiful on fire
all twisted metal stretching upwards
everything washed in a thin orange haze
i said: "kiss me, you're beautiful -
these are truly the last days"
you grabbed my hand and we fell into it
like a daydream or a fever
we woke up one morning and fell a little further down -
for sure it's the valley of death
i open up my wallet
and it's full of blood
(this monologue appears at the beginning of the dead flag blues from the album f#a#oo; it's read by lee marvin and comes from incomplete movie about jail, an unfinished film that efrim wrote and has been working on for the last five years)
purity - 26. Jun, 18:33
Sterben lernt man von den Vögeln.
Auch die Januarkälte
lehrt uns in die Zweige verstrickt nichts anderes,
sagtest du und schautest
zu den ins Licht eilenden Palmen.
Daß es zu Ende ging.
Und wie mit ihr auch mit den Worten.
Ich suchte deine Augen, in die sich unschuldig
das Blau geflüchtet hatte.
In der Kindheit verscheuchte das Leinenherz
die Schattentiere.
Morgen werde nicht ich dich sehen,
wie du auf die weißen Pappeln steigst.
Unvergänglich das Strahlen der Hände.
purity - 6. Mai, 18:45
Aber, hatte die Anwaltsgattin gemeint, lieber hier festsitzen als in diesem scheußlichen St. Johann, das ihr von Italien aus betrachtet wie eine Zwangsjacke vorkomme. "All diese Gebirgsnester sind doch im Grunde nichts anderes als Zwangsjacken, aus denen man sich aus eigener Kraft kaum befreien kann! Und viele dieser Irren sind auf so eine Zwangsjacke auch noch so stolz wie auf ihren im Rausch vollgekotzten Trachtenjanker!" (S.41)
(aus: O.P. Zier, Tote Saison, Residenz Verlag St. Pölten - Salzburg, 2. Auflage, 2007)
purity - 22. Jan, 18:00
Scots, wha hae wi' Wallace bled,
Scots, wham Bruce has aften led,
Welcome to your gory bed,
Or to victorie.
Now's the day, and now's the hour;
See the front o' battle lour;
See approach proud Edward's power -
Chains and slaverie!
Wha will be a traitor knave?
Wha can fill a coward's grave?
Wha sae base as be a slave?
Let him turn and flee!
Wha for Scotland's king and law
Freedom's sword will strongly draw,
Freeman stand, or freeman fa'?
Let him follow me!
By oppression's woes and pains!
By our sons in servile chains!
We will drain our dearest veins,
But they shall be free!
Lay the proud usurpers low!
Tyrants fall in every foe!
Liberty's in every blow!
Let us do - or die!
purity - 17. Sep, 06:29
17.10
Dog steigt unter dem Stadion aus, leerer Bahnsteig, in ungefähr einer Stunde spielt "Metallist" sein letztes Heimspiel, heute kommen bestimmt alle, klar, Saisonende und das ganze Gedöns, oben ein verregneter Sommer, der Himmel in Wolken, und irgendwo direkt über Dog das halbverfallene Stadion, ganz durchweicht und eingesunken in den letzten Jahren, Gras frißt sich durch die Betonplatten, vor allem wenn es geregnet hat, die Ränge verdreckt von den Tauben, auch auf dem Feld Scheiße, vor allem wenn wir spielen, ein kaputtes Land, kaputter Sport, die großen Steuermänner haben es versaut, wenn ihr mich fragt, denn wie auch immer, in der Sowjetunion gab es zwei Sachen auf die man stolz sein konnte - Fußball und Atomwaffen, und wer das Volk dieser Errungenschaft beraubt hat, kann wohl kaum auf ein sorgenfreies Alter zählen, nichts ist so schlecht fürs Karma wie beschissene nationale Politik, klar. Dog steht schon eine ganze Weile auf dem Bahnsteig, gleich werden aus der anderen Richtung seine Kumpels kommen, er braucht also nur auf sie zu warten. Dog ist müde und fertig, säuft schon den dritten Tag, dazu das schlechte Wetter, es kommt bestimmt vom Wetter, Blutdruck oder wie das heißt, wie heißt der Zustand wenn du drei Tage trinkst und plötzlich deine Verwandten und Freunde nicht mehr erkennst? Klar, Blutdruck. (S.14)
purity - 24. Aug, 18:19
Paul Austers Frau Siri Hustvedt, die eine Dissertation zu Charles Dickens verfasste, über Dickens und den Wahnsinn mit/durch der/die Kunst:
Dickens erforschte ständig extreme Zustände von Zerfall, und in "Unser gemeinsamer Freund" schuf er einen Charakter, Bradley Headstone, dessen Zusammenbruch zum Teil wie pathologisches Wiederholen dargstellt wird: der in seinem Geist wie eine Maschine umhergeisternde versuchte Mord. Die Verbindung zu Dickens' eigenen Darbietungen ist auffallend. Während seine fiktionale Figur Headstone eines Verbrechens schuldig ist, war sein Schöpfer nur der Erfindung und der Empathie für diese Erfindung schuldig. Dennoch wiederholt Headstone das Verbrechen, nachdem er es begangen hat, in seiner Phantasie immer wieder, genauso wie Dickens nicht widerstehen konnte, seinen Mord wieder und wieder vorzutragen. Ein mit aller Macht imaginiertes Ereignis kann die gleichen Gefühle wachrufen wie ein reales. Dem werden wenige Künstler widersprechen, und doch würden manche Leute es sicherlich seltsam finden, dass bis ins Letzte imaginierte Fiktion etwas verursachen kann, was den Persönlichkeitsspaltungen bei Geisteskrankheiten entspricht. Auflösung in der Kunst ist der Auflösung im Wahnsinn vorzuziehen, aber was Freud Sublimierung nannte, ist die Transformation von inneren Dramen, Ängsten und Verletzungen in etwas anderes: ein Kunstwerk außerhalb des Körpers des Künstlers.
(aus: Charles Dickens und das kranke Bruchstück - Essay, Siri Hustvedt, 2004)
purity - 15. Mai, 20:21
In der Literatur lieben wir jene, die dem Leben nicht gewachsen sind, wir finden uns selber in ihnen wieder, missverstanden und tragisch in unserem Scheitern. Stellvertretend für uns sind sie die Sündenböcke, die vom Felsen in die Wüste gestoßen werden, deren Blut vergossen wird, damit wir selber unverwundbar bleiben dürfen, auf dem Altar der Literatur werden sie an unserer Statt geopfert. Die Wirklichkeit ist weniger grandios und weniger ergreifend. (S. 128)
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In sechs Wochen schreibt er zwei Romane, in einem einzigen New Yorker Sommer, während die Cholera umgeht. Die manische Ungeduld, die sich in manchen Augenblicken bis zum Delirium steigert, nimmt in den Briefen an seine Verleger den Ton gehetzter Maßlosigkeit an, unverzüglich ist sein Lieblingswort, oft mischt sich unterdrückte Panik in seine Sätze, etwas verzweifelt Zwanghaftes, als gälte es, einen Wettlauf mit der Zeit oder dem Schicksal zu gewinnen. [...] Sein Absolutheitsanspruch allein ist Ärgernis genug, er passt nicht in das Raster der Gesellschaft, und nicht in die Literaturszene seiner Zeit. Melville, dem so viel Witz, soviel geistreicher Charme nachgesagt wird, gelingt es nicht, seine Reizbarkeit zu zügeln, seine Stimmungsschwankungen zu unterdrücken, mit denen er die Herren der literarischen Gesellschaft - ernsthafte Methodisten und humorlose, aber belesene Lektoren - befremdenden Wechselbädern aus Herzlichkeit und Angriffslust aussetzt. [...] Gibt es denn keinen Augenblick der Zufriedenheit, in dem er innehält und dem Schicksal dankt? (S. 131)
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In jenem Frühsommer ging Gabriel nach der Schule hinters Haus und verstümmelte meinen Apfelbaum. Er schnitt ihm erst mit der Gartenzange die Zweige weg, sägte dann von oben nach unten die Äste ab, zuletzt den Wipfel. [...] Ich war zu entsetzt, um mich aufzuregen. Er schwieg. Was hätte er sagen sollen? Dass es für manches keine Worte gibt, sondern nur Gewalt? Dass er sich an etwas, das ich liebte, rächen musste für mein Verbot, sich zu wehren und seine Würde zu schützen?[...] Der Baum musste stellvertretend verstümmelt werden, damit wir in Frieden leben konnten, es wäre ein geringer Preis gewesen, wenn es dabei geblieben wäre. Ich wollte wissen, wie du reagierst, sagte er altklug, während er mir half, die Äste und Zweige einzusammeln. (S. 244 ff.)
(aus: Anna Mitgutsch, Zwei Leben und ein Tag. Luchterhand Literaturverlag München, 2007)
purity - 23. Mrz, 19:00
Ich bin ein Meister der Abbreviaturen, die mich beherrschen: Manu statt Manuskript. Lg statt liebe Grüße usw. Depression ist die Krankheit der anderen, ich hingegen neige zu Bluthochdruck.
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purity - 25. Jan, 20:57
(Auszug)
seltsame orte gibt es, seltsame gehirne, seltsame regionen des geistes, hoch und ärmlich. an den peripherien der großstädte, dort, wo die laternen spärlicher werden und die gendarmen zu zweien gehen, muss man in den häusern emporsteigen, bis es nicht weiter geht, bis in schräge dachkammern, wo junge, bleiche genies, verbrecher des traumes, mit verschränkten armen vor sich hinbrüten, [...] wo einsame, empörte und von innen verzehrte künstler, hungrig und stolz, im zigarettenqualm mit letzten und wüsten idealen ringen. hier ist das ende, das eis, die reinheit und das nichts. hier gilt kein vertrag, kein zugeständnis, keine nachsicht, kein maß und kein wert. hier ist die luft so dünn und keusch, dass die miasmen des lebens nicht mehr gedeihen. hier herrscht der trotz, die äußerste konsequenz, das verzweifelt trohnende ich, die freiheit, der wahnsinn und der tod...
es war karfreitag, abends um acht. mehrere von denen, die daniel geladen hatte, kamen zur gleichen zeit. [...]es wäre schwer gewesen, die wirkung von daniels proklamation auf die zuhörer festzustellen. [...] der novellist suchte seit längerer zeit vergebens nach einer passenden haltung für seinen schmerzenden rücken. um zehn uhr kam ihm die vision einer schinkensemmel, aber er verscheuchte sie mannhaft. [...]
er hatte ein gewisses verhältnis zum leben.
purity - 9. Jan, 16:00
Zuweilen möchte man aus sich heraus
und kann die Tür ins Freie doch nicht finden.
Dann schnüffelt man vielleicht mal nach den Gründen
und kriecht noch tiefer in sein Schneckenhaus.
Man müßte vieles tun und manches lassen,
und kann das eine wie das andere nicht.
Man denkt an manche unerfüllte Pflicht,
bis sich die Dinge dann mit uns befassen.
So vieles tut man rasch in Acht und Bann
mit Augen, die geschlossen schon erblinden.
Doch auch das Schicksal hat so dann und wann
auf unserem Konto Unterlassungssünden.
Mitunter scheints, man sei nun endlich da,
- Am Ziel, von dem man schüchtern nur geträumt hat -
Da plötzlich merkt man, daß man was versäumt hat,
Ein dummes Etwas nur. Beinah ... beinah.
Wenn man ein zweites Mal geboren würde,
Dann finge man das Leben anders an.
- Vielleicht, daß dann so manches anders würde...
(Vorausgesetzt, daß man vergessen kann-)
Daß man vergessen kann, was man erfahren.
Man horcht sehr oft zu viel in sich herum.
Am besten wär es, klug zu sein und stumm.
Man ist zuweilen alt mit zwanzig Jahren.
purity - 4. Dez, 17:09